E-Auto mit Solarstrom laden
Beim Überschussladen fließt nur der Solarstrom ins Auto, der sonst für wenige Cent ins Netz ginge. Damit das auch bei mäßiger Sonne funktioniert, kommt es auf die Mindestladeleistung und die Phasenumschaltung an.
Stand: 6. November 2026
So funktioniert Überschussladen
Ein Zähler am Hausanschluss misst laufend, wie viel Strom gerade ins Netz fließt. Die Wallbox oder ein Energiemanager regelt die Ladeleistung so nach, dass möglichst genau dieser Überschuss ins Auto geht. Wird es bewölkt, sinkt die Ladeleistung, kommt die Sonne zurück, steigt sie wieder. Bei Anlagen mit Nulleinspeisung, die gar nichts ins Netz abgeben, funktioniert das Prinzip nicht.
Die Hürde: Mindestens 6 Ampere
Nach der Norm IEC 61851-1 muss ein Ladepunkt mindestens 6 A pro Phase anbieten. Darunter lädt das Auto nicht. Daraus ergeben sich diese Mindestleistungen:
| Laden über | Mindestleistung | Höchstleistung (16 A) |
|---|---|---|
| 1 Phase | 1,4 kW | 3,7 kW |
| 2 Phasen | 2,8 kW | 7,4 kW |
| 3 Phasen | 4,1 kW | 11 kW |
Eine Wallbox, die fest dreiphasig lädt, braucht also mindestens rund 4,1 kW Überschuss. Bei einer kleinen PV-Anlage oder im Winter wird diese Schwelle oft nicht erreicht. Lädt sie trotzdem, zieht sie den Rest aus dem Netz.
Automatische Phasenumschaltung
Die Lösung ist eine Wallbox, die selbst zwischen einer und drei Phasen umschaltet. Bei wenig Sonne lädt sie einphasig ab 1,4 kW, bei viel Sonne dreiphasig bis 11 kW. Beispiele laut Hersteller- und Projektangaben:
- Fronius Wattpilot: schaltet automatisch um und regelt in 1-A-Schritten von 1,38 kW bis 22 kW, im Zusammenspiel mit Fronius-Wechselrichter und Smart Meter.
- SMA EV Charger: automatische Umschaltung 1P/3P, Steuerung über den Sunny Home Manager 2.
- Kostal Enector: einphasig ab 1,4 kW, dreiphasig ab 4,1 kW, Umschaltung manuell, Anbindung per EEBUS an das Kostal Smart Energy Meter G2.
Wallbox und Wechselrichter verbinden
Damit die Wallbox den Überschuss kennt, muss sie mit Wechselrichter oder Energiezähler sprechen. Am einfachsten ist das meist innerhalb eines Herstellersystems (etwa per Solar API bei Fronius, SEMP bei SMA oder EEBUS bei Kostal). Herstellerübergreifend geht es mit offenen Energiemanagern wie evcc, die viele Wallboxen, Wechselrichter und Zähler unterstützen.
Was es bringt
Die HTW Berlin hat Lastprofile von 730 Haushalten ausgewertet. Ergebnisse laut Zusammenfassung:
- Überschussladen erhöht den Solaranteil am Ladestrom im Mittel um rund 25 Prozentpunkte gegenüber sofortigem Laden nach Ankunft. Ein Heimspeicher allein bringt nur etwa 9 Prozentpunkte.
- Anlagen mit 15 bis 20 kW decken im Mittel etwa 62 % des Ladebedarfs, Anlagen mit 5 bis 10 kW etwa 46 %.
Wie viel das in Euro ist, hängt vom Strompreis und der Einspeisevergütung ab: Jede Kilowattstunde, die ins Auto statt ins Netz geht, kostet dich statt rund 37 ct aus dem Netz nur die entgangene Vergütung.
Und § 14a?
Auch eine PV-geführte Wallbox über 4,2 kW ist eine steuerbare Verbrauchseinrichtung. Der Netzbetreiber darf aber nur den Bezug aus dem Netz drosseln, und zwar auf mindestens 4,2 kW. Mit einem Energiemanagementsystem kann eigene Erzeugung berücksichtigt werden, sodass Solarstrom vom eigenen Dach auch bei einer Drosselung weiter ins Auto fließen kann.
Häufige Fragen
Ab wie viel Solarstrom kann ich laden?
Ladegeräte müssen nach IEC 61851 mindestens 6 A pro Phase liefern. Einphasig sind das rund 1,4 kW, dreiphasig rund 4,1 kW. Liegt der Überschuss darunter, lädt die Wallbox nicht oder zieht Netzstrom zu.
Was bringt die automatische Phasenumschaltung?
Die Wallbox wechselt bei wenig Sonne auf eine Phase und kann dann schon ab etwa 1,4 kW laden, bei viel Sonne auf drei Phasen bis 11 kW. So nutzt sie auch schwache Sonnenstunden.
Brauche ich eine Wallbox vom Hersteller meines Wechselrichters?
Nicht zwingend. Viele Hersteller-Lösungen funktionieren am einfachsten im eigenen System. Über offene Energiemanager wie evcc lassen sich auch Wallboxen und Wechselrichter verschiedener Hersteller kombinieren.
Wie viel bringt Überschussladen?
Eine Auswertung der HTW Berlin mit 730 Haushalten ergab, dass Überschussladen den Solaranteil am Ladestrom im Mittel um rund 25 Prozentpunkte erhöht, verglichen mit sofortigem Laden nach Ankunft.
Quellen
- evcc-Dokumentation: Solar-Laden
- go-e: PV-Überschussladung mit Wallbox
- Solarserver: HTW Berlin zum solaren Laden (28.04.2025)
- Fronius: E-Autos mit PV-Überschuss laden
- evcc-Dokumentation: SMA EV Charger
- Kostal: Smart Energy Meter G2 und Enector
- Bundesnetzagentur: Steuerbare Verbrauchseinrichtungen
- ADAC: Wallbox mit Überschussladen
Alle Angaben ohne Gewähr und keine Rechts- oder Steuerberatung. Für die Installation ist eine im Installateurverzeichnis des Netzbetreibers eingetragene Elektrofachkraft zuständig.